Johannes Fechner

Mitglied des Deutschen Bundestages

Von Hexen, Henkern und Halunken: Geschichte hautnah bei rechtsgeschichtlicher Stadtführung durch Lahr

Dass eine Beleidigung als Schwabe im Jahr 1704 von einem Lahrer Gericht mit hohen Geldstrafen endete oder wie eine arme, hungernde Frau wegen einer Handvoll im fürstlichen Wald gesammelter Nüsse an den Pranger kommen konnte, solche historischen Lahrer Anekdoten kann man bei der Stadtführung „Von Hexen, Henkern und Halunken“ erfahren. SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner hatte zur rechtshistorischen Spurensuche nach den Wurzeln in Lahr von Justiz, Strafvollzug und Bürgerrechten eingeladen. Mitten in den historischen Gassen Lahrs zeigte sich schnell, wie lebendig und skurril Rechtsgeschichte sein kann: Am Alten Rathaus und dem Urteilsplatz ging es um die frühere Marktgerichtsbarkeit und den spektakulären Lahrer Wahlskandal der 1840er-Jahre, der den Weg zur Badischen Revolution ebnete. Vorbei am Hexenturm und mit Blick Richtung Heuberg beleuchtete Elise Vörkel die düsteren Kapitel frühneuzeitlicher Hexenprozesse und das Handwerk des Scharfrichters. Weitere Stationen führten über das neobarocke Amtsgericht und das 1861 errichtete Amtsgefängnis bis zum Storchenturm, an dessen Innenwänden noch heute historische Namensritzungen früherer Gefangener an vergangene Zeiten erinnern. Einen besonderen Halt bildete das geschichtsträchtige Gebäude am Doler Platz: Genau hier fand im August 1877 die Versammlung statt, die als Keimzelle der Lahrer Arbeiterbewegung und der örtlichen SPD gilt – damals noch unter strenger Beobachtung des Kaiserreichs. „Die Führung hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Rechts- und Demokratiegeschichte in den Straßen von Lahr steckt“, zog Fechner ein begeistertes Fazit und bedankte sich bei Elise Vörkel für die lebendige Zeitreise durch die Jahrhunderte.

Bild: Deutsche Bundestag / Thomas Trutsche / photothek