Die Situation auf dem Sektmarkt ist herausfordernd, das merkt auch die Geldermann Privatsektkellerei aus Breisach. Durch die bundesweit diskutierte Erhöhung der Sektsteuer droht eine massive Verschärfung dieser Lage. Das wurde beim Betriebsbesuch des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner in Breisach deutlich.
Mit 46 Beschäftigten, einer jährlichen Produktion von rund 2,8 Millionen Flaschen ist Geldermann nicht nur ein starker lokaler Arbeitgeber, sondern mit jährlich etwa 10.000 Gästen in der „Genusswelt“ auch ein bedeutender touristischer Anziehungspunkt für die Region. Die Sektkellerei ist seit 2003 Teil der Rotkäppchen-Mumm Gruppe.
Im Fachgespräch mit der CEO von Rotkäppchen-Mumm, Silvia Wiesner, Geschäftsbereichsleiter Marcel Widmann und Isabel Ganter, Leiterin Standort-Marketing, wurden die drängenden politischen Sorgen des Betriebs erörtert. Die Unternehmensspitze warnte eindringlich vor den Plänen zur Anhebung der Schaumweinsteuer: Es sei fraglich, ob die kalkulierten Mehreinnahmen überhaupt erreicht werden können. Steigende Preise führten in einem rückläufigen Markt zu sinkenden Absatzmengen, wodurch die Steuereinnahmen sinken. Diese Tatsache sei in der Kalkulation jedoch nicht berücksichtigt. „Eine Erhöhung der Schaumweinsteuer bedeutet im besten Fall fiskalisches Nullsummenspiel, aber spürbare Belastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher und wirtschaftliche Risiken für den deutschen Mittelstand“, so Silvia Wiesner.
Eine solche Mehrbelastung gefährde letztlich Produktionsschichten, Standorte und regionale Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – was unmittelbar auch den Weinbaustandort Baden trifft. Wenn die Nachfrage nach Sekt einbricht, geraten die ohnehin unter Kostendruck stehenden heimischen Winzer und Genossenschaften am Kaiserstuhl und im Breisgau weiter unter Druck, auch da Geldermann Teile seines Grundweins aus der Region bezieht. Zugleich forderte die Unternehmensleitung spürbare Erleichterungen bei bürokratischen Auflagen, insbesondere im wachsenden Markt der alkoholfreien Sekte, wo strenge Vorgaben der Weinverordnung zu erheblichen Zusatzkosten für alternative Rohstoffe führen. Ebenso skeptisch sieht das Unternehmen Pläne für Sonderabgaben wie eine Zuckersteuer, die beliebte Mischprodukte zusätzlich belasten könnte.
Fechner zeigte Verständnis für die Kritik und warnte vor kontraproduktiven Steuerplänen: „Steuererhöhungen, die am Ende durch Absatzeinbrüche zu Mindereinnahmen führen und heimische Produktionsstandorte gefährden, sind der falsche Weg. Zudem müssen wir hinterfragen, ob eine reine Mengensteuer, die preisgünstigere Sekte prozentual viel härter trifft als teuren Luxuschampagner, überhaupt noch zeitgemäß und sozial gerecht ist.“ Fechner sagte zu, die Argumente des Breisacher Betriebs und die Belange der regionalen Weinwirtschaft direkt in die Beratungen der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin einzubringen.