Die Offenburger VHS und das ihr angegliederte Institut der Deutschen Sprache stehen vor großen Herausforderungen. Das wurde deutlich bei einem Vor-Ort-Besuch von Martin Rabanus, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes, der auf Einladung des Lahrer SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner die Offenburger Volkshochschule besuchte.
Die VHS-Leiterinnen Anne Stolle und Constanze Ambrecht beschrieben insbesondere, dass kurzfristige Vorgaben aus Berlin die Bildungsarbeit erschwerten. Derzeit gebe es einen überraschenden Zulassungsstopp für Integrationskurse. „Deutsch ist der Schlüssel für die Integration und deshalb verstehen wir nicht, dass bei den Integrationskursen gespart wird“.
Rabanus und Fechner verwiesen auf die laufenden Haushaltsberatungen, in denen sich die SPD für mehr Mittel für Integrationskurse einsetzen werde. Gelungen sei schon, dass EU-Ausländer und Ukrainer Deutschkurse bezuschusst bekommen. Stolle verwies auf die stolze Leistungsbilanz der Offenburger VHS: 100.000 Unterrichtseinheiten wurden geleistet, wovon knapp 70.000 Unterrichtseinheiten auf Deutschkurse entfielen.
Damit ist die VHS Offenburg die drittgrößte Volkshochschule in Baden-Württemberg. Dass Deutschkurse ein Schwerpunkt der Arbeit sind, ist auch daran ersichtlich, dass der Anteil der Deutschkurse 6,6 Millionen Euro am Budget von insgesamt 9 Millionen Euro ausmacht. Rund 25.000 Bürgerinnen und Bürger besuchen Volkshochschulkurse. Die rund 600 Honorarkräfte haben derzeit über ihren Status ebenfalls Unsicherheit. Ein Arbeitsgericht beurteilte sie nicht mehr als Selbstständige mit der Folge, dass erhebliche Sozialversicherungsnachzahlungen fällig werden.
Fechner und Rabanus berichteten, dass die Umsetzung dieses Urteils zunächst bis 2028 ausgesetzt sei und derzeit eine passende Regelung im Bundesarbeitsministerium erstellt werde. „Der wichtige Bildungsauftrag der Volkshochschulen muss erfüllt werden und dafür müssen wir eine Lösung finden, dass die Personalkosten nicht explodieren“, so Fechner und Rabanus.
Kritik gab es auch an der Landesregierung. Die Förderung pro Unterrichtseinheit sei zwar im Weiterbildungsgesetz angehoben worden, Baden-Württemberg hinke aber im Pro-Kopf-Aufwand für die Erwachsenenbildung im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich hinterher. Die Kurse sind aber erfolgreich. Rund drei Viertel der Teilnehmer erreichen das B1-Sprachniveau, fast 90 % A2-Sprachniveau.
Erfolgreich war der Einsatz von Fechner und anderen Abgeordneten, die beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen schnelleren Ausgleich der Abrechnungen der VHS gefordert hatten. In der Vergangenheit waren siebenstellige Beträge über einen längeren Zeitraum vom BAMF nicht bezahlt worden. Diese Verwaltungspraxis habe sich jetzt aber auch dank der Kritik und des Protests von Fechner und anderen Abgeordneten beim BAMF geändert. „Ich bin beeindruckt, was Sie alles auf die Beine stellen und wir werden unser Möglichstes tun im Bundestag, um die Volkshochschulen noch besser zu unterstützen“, lobte Vorsitzender Rabanus abschließend.